Was ist Sägepalmenextrakt?
Die Sägepalme, botanisch Serenoa repens, ist eine niedrig wachsende Palme aus Nordamerika, deren Beeren seit Jahrzehnten in der Pflanzenheilkunde verwendet werden. In der Haarmedizin ist ihr Extrakt der bislang am besten untersuchte pflanzliche Hemmer der 5-alpha-Reduktase.
Seine Zusammensetzung ist ungewöhnlich: Das aus den Beeren gewonnene Öl enthält 85 bis 90 % Fettsäuren (Laurin-, Myristin-, Öl- und Linolsäure) sowie Phytosterole, darunter β-Sitosterol, die zusammen die antiandrogene Wirkung tragen (Sudeep et al., 2023).
Anders als Finasterid, ein synthetischer Wirkstoff mit nur einem Angriffspunkt, wirkt Sägepalmenextrakt auf zwei einander ergänzenden Wegen:
- Unmittelbar an den zytoplasmatischen Rezeptoren für DHT und Androstendiol
- Mittelbar über die Hemmung der 5-alpha-Reduktase vom Typ I und II (Rossi et al., 2012)
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Welche Dosierungen wurden geprüft?
Die vorliegenden klinischen Studien haben unterschiedliche Dosierungen untersucht. Hier eine Übersicht der veröffentlichten Daten:

Die Dosierung von 320 mg Trockenextrakt pro Tag findet sich am häufigsten in der wissenschaftlichen Literatur zum Haarausfall. Sudeep et al. (2023) verwendeten einen Extrakt, der auf 2–3 % β-Sitosterol und mindestens 85 % Gesamtfettsäuren standardisiert war. Das zeigt, wie sehr es auf die Standardisierung ankommt: die Produkte auf dem Markt sind nicht gleichwertig.
⚠️ Wichtiger Hinweis. Die Qualität des Extrakts, also sein Gehalt an wirksamen Fettsäuren und das Extraktionsverfahren, bestimmt unmittelbar die beobachteten Ergebnisse. Ein standardisierter überkritischer CO₂-Extrakt ist mit gemahlenem Beerenpulver nicht vergleichbar.
Wirkt Sägepalmenextrakt im Vergleich zu Finasterid?
Das ist die zentrale Frage der Studie von Rossi et al. (2012) an 100 Männern mit leichter bis mittelschwerer androgenetischer Alopezie, die über 24 Monate in zwei gleich große Gruppen aufgeteilt wurden.
Ergebnisse des direkten Vergleichs

Das Fazit der Autoren fällt abgewogen aus: Finasterid ist statistisch wirksamer, wenn es um aktives Nachwachsen geht (p < 0,05), doch Sägepalmenextrakt hält den Verlust in mehr als der Hälfte der Fälle auf (Rossi et al., 2012).
Was das praktisch bedeutet
An die Wirkstärke von Finasterid reicht Sägepalmenextrakt nicht heran. Bei Patienten mit Haarausfall im Stadium I bis III der Hamilton-Skala zeigen die Daten allerdings eine echte Fähigkeit, den Zustand zu halten. Rossi et al. (2012) führen den Unterschied auf die geringere Affinität des Sägepalmenextrakts zur 5-alpha-Reduktase zurück.
Die Nebenwirkungen von Sägepalmenextrakt
Pflanzlicher Ursprung bürgt nicht für Unbedenklichkeit. In den vorliegenden Studien fällt die Verträglichkeit von Sägepalmenextrakt allerdings günstig aus.
Was die Studien berichten

In der Studie von Rossi et al. (2012) trat über 24 Monate Behandlung in keiner der beiden Gruppen eine Nebenwirkung auf.
Theoretische Risiken, die Sie kennen sollten
In der Studie von Sudeep et al. (2023) berichteten unter den 73 Teilnehmern, die die 16 Wochen abschlossen, zehn Personen leichte Nebenwirkungen (Erkältung, Kopfschmerzen). Der Prüfarzt kam zu dem Schluss, dass diese Ereignisse nichts mit dem geprüften Produkt zu tun hatten. Schwere Nebenwirkungen wurden nicht gemeldet.
Welche Profile wurden untersucht?
In der Literatur dokumentierte Profile
Die Auswertung der Ergebnisse von Rossi et al. (2012) zeigt, dass die Wirksamkeit mit dem Ausgangsstadium des Haarausfalls zusammenhängt (Chi² = 8,00; p = 0,004). Die besten Ergebnisse zeigen sich bei Patienten der Stufen I bis III der Hamilton-Skala.

Was die Studien zur Dauer nahelegen
Sudeep et al. (2023) halten selbst fest, dass 16 Wochen Behandlung nicht ausreichen, um eine deutliche Veränderung des Anagen-Telogen-Verhältnisses zu sehen. Frühere Arbeiten setzten Sägepalmenextrakt über längere Zeiträume ein, um Wirkungen auf das aktive Nachwachsen zu erfassen. Die 24-Monats-Studie von Rossi et al. (2012) bestätigt, dass messbare Ergebnisse eine durchgehende Einnahme über längere Zeit verlangen.
Fazit
Sägepalmenextrakt zum Einnehmen gehört zu den wenigen Pflanzenextrakten mit kontrollierten klinischen Daten bei androgenetischer Alopezie.
Das Wichtigste in Kürze:
- Er hemmt die 5-alpha-Reduktase vom Typ I und II und senkt den DHT-Spiegel im Serum messbar (p < 0,001 gegenüber Placebo; Sudeep et al., 2023)
- Über 24 Monate hält er den Verlust bei 52 % der Patienten auf und bessert ihn bei 38 %, gegenüber 22 % stabil und 68 % gebessert unter Finasterid 1 mg pro Tag (Rossi et al., 2012)
- Beim aktiven Nachwachsen ist er weniger wirksam als Finasterid (p < 0,05), und keine der beiden zitierten Studien berichtet eine sexuelle Nebenwirkung
- Die Ergebnisse hängen vom Ausgangsstadium des Haarausfalls ab (Chi² = 8,00; p = 0,004) und verlangen eine längere Einnahme
- Die Standardisierung des Extrakts, auf β-Sitosterol und Fettsäuren, bestimmt die beobachteten Ergebnisse
Für Patienten, die einen Weg zwischen Abwarten und Finasterid suchen, ist die Sägepalme in oraler Form die klinisch am besten dokumentierte Möglichkeit. Wo er in einer Gesamtstrategie steht, besprechen Sie mit einem Arzt.
Zitierte Quellen
- Rossi A. et al. Comparative Effectiveness of Finasteride vs Serenoa Repens in Male Androgenetic Alopecia: A Two-Year Study. Int J Immunopathol Pharmacol. 2012;25(4):1167–1173.
- Sudeep H.V. et al. Oral and Topical Administration of a Standardized Saw Palmetto Oil Reduces Hair Fall and Improves the Hair Growth in Androgenetic Alopecia Subjects – A 16-Week Randomized, Placebo-Controlled Study. Clin Cosmet Investig Dermatol. 2023;16:3251–3266.





Wie wirkt Sägepalmenextrakt?
Der zentrale Mechanismus: DHT blockieren
Bei androgenetischer Alopezie bindet Dihydrotestosteron (DHT) an die Rezeptoren der Haarfollikel und lässt sie nach und nach schrumpfen. Je stärker ein Follikel miniaturisiert ist, desto feiner und kürzer wird das Haar, bis es nicht mehr sichtbar ist.
Sägepalmenextrakt unterbricht diesen Vorgang, indem er die 5-alpha-Reduktase hemmt, also jenes Enzym, das Testosteron in DHT umwandelt. In der Studie von Sudeep et al. (2023) senkte die tägliche Einnahme eines standardisierten Sägepalmenextrakts (100 mg pro Tag) den DHT-Spiegel im Serum gegenüber Placebo deutlich (p < 0,001).
Weitere Wirkwege
Über die antiandrogene Wirkung hinaus deuten mehrere in Sudeep et al. (2023) angeführte Studien darauf hin, dass Sägepalmenextrakt auch auf anderen Wegen wirkt:
Diese ergänzenden Effekte sprechen dafür, dass Sägepalmenextrakt nicht nur DHT blockiert, sondern auch in den Haarzyklus selbst eingreift.