Was ist topisches Finasterid?
Das topische Finasterid entstand aus einer einfachen Feststellung: Zwar ist das oral verabreichte Finasterid wirksam gegen androgenetischen Haarausfall (AGA), doch stellen seine sexuellen Nebenwirkungen – auch wenn sie in kontrollierten Studien selten auftraten – ein echtes Hindernis für die Akzeptanz bei den Patienten dar. Die Idee einer lokalen Anwendung gab es bereits Ende der 1990er Jahre, mit dem Ziel, die Wirkung des Medikaments dort zu konzentrieren, wo sie benötigt wird – auf der Kopfhaut –, und gleichzeitig seinen Übergang in den allgemeinen Blutkreislauf zu begrenzen.
Die erste klinische Studie zur Bewertung von topischem Finasterid bei Männern wurde 1997 von Mazzarella et al. veröffentlicht. Sie untersuchte eine 0,005-prozentige Finasterid-Lösung bei 52 Patienten über einen Zeitraum von 16 Monaten und lieferte den ersten Proof of Concept: Eine lokale Anwendung kann den Haarausfall reduzieren und das Nachwachsen fördern, ohne dass eine nachweisbare systemische Resorption stattfindet (Mazzarella et al., 1997).
Seitdem wurden die Konzentrationen schrittweise erhöht – von 0,005 % auf 0,1 %, dann auf 0,25 % und 1 % – und die Studien wurden erheblich ausgeweitet, was zu einer randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie (Piraccini et al., 2022) führte, in der topisches Finasterid 0,25 % über 24 Wochen bei 458 Männern direkt mit oralem Finasterid 1 mg verglichen wurde.
Heute ist topisches Finasterid in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich: als hydroalkoholische Lösung, als Spray und als Gel. Die am besten untersuchte und mittlerweile als optimal angesehene Konzentration beträgt 0,25 %; sie wird manchmal allein verabreicht, manchmal aber auch in Kombination mit topischem Minoxidil in einer einzigen Lösung.
Ein wichtiger Punkt, der hervorgehoben werden muss: Genau wie die orale Form heilt auch topisches Finasterid die androgenetische Alopezie nicht. Es bremst lediglich das Fortschreiten der Erkrankung, solange die Behandlung fortgesetzt wird. Nach Absetzen des Medikaments reagieren die Haarfollikel nach und nach wieder auf DHT.
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Ist Finasterid wirksam?
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Wie lautet die empfohlene Dosierung?
Topisches Finasterid wird seit den 1990er Jahren in einem breiten Konzentrationsspektrum untersucht. Dank der neuesten klinischen Daten lässt sich heute die optimale Konzentration bestimmen.

Die Konzentration von 0,25 % gilt heute als die optimale Konzentration, um die Wirkung auf die Follikel zu maximieren und gleichzeitig die systemische Resorption zu minimieren. Pharmakokinetische Studien der Phasen I–II (Caserini et al., 2014 und 2016, zitiert in Piraccini et al., 2022) haben gezeigt, dass eine tägliche Anwendung von 0,25 % zu einer Senkung des DHT-Spiegels in der Kopfhaut und im Plasma führte, die der von oralem Finasterid 1 mg entsprach, wobei die Plasmaexposition in diesen vorläufigen Studien etwa neunmal geringer war – ein Wert, der in der Phase-III-Studie von Piraccini et al. (2022) auf mehr als das 100-Fache anstieg.
Ist topisches Finasterid wirksam?
Topisches Finasterid 0,005 % im Vergleich zu Placebo (Mazzarella et al., 1997)
Der erste klinische Nachweis der Wirksamkeit von topischem Finasterid beim Mann stammt aus dem Jahr 1997. In dieser einfachblinden, placebokontrollierten Studie trugen 52 Patienten (28 Männer und 24 Frauen im Alter von 18 bis 38 Jahren) 16 Monate lang zweimal täglich 1 ml einer 0,005%igen Finasterid-Lösung oder nur den Trägerstoff auf (Mazzarella et al., 1997).
Ergebnisse zum Nachwachsen (6-Punkte-Skala):

Alle Patienten unter Finasterid erreichten einen Wert von 3 oder 4 (leichte bis deutliche Verbesserung), während die Ergebnisse in der Placebo-Gruppe von einer deutlichen Verschlechterung bis hin zu keiner Veränderung reichten. Zudem bewerteten 73 % der Finasterid-Patienten ihre Behandlung als „sehr wirksam“ (Wert 3/3), während in der Placebo-Gruppe überwiegend Werte von 0–1 vergeben wurden (Mazzarella et al., 1997).
Ergebnisse des Falltests (zweimonatlicher Wash-Test):

Ab dem 6. Monat wird der Unterschied zwischen den beiden Gruppen signifikant und verstärkt sich bis zum Ende der Studie zunehmend. In der Finasterid-Gruppe nimmt der Haarausfall kontinuierlich ab, während in der Placebo-Gruppe ein allmählicher Anstieg des Haarausfalls zu beobachten ist (Mazzarella et al., 1997).
Bemerkenswert ist, dass in der Finasterid-Gruppe keine Veränderungen der Plasmaspiegel von Gesamt-Testosteron, freiem Testosteron oder DHT beobachtet wurden, was eine signifikante systemische Resorption bei dieser geringen Konzentration ausschließt (Mazzarella et al., 1997).
Topisches Finasterid 0,25 % im Vergleich zu Placebo und oralem Finasterid (Piraccini et al., 2022)
Die Phase-III-Studie von Piraccini et al. (2022) ist die bislang strengste klinische Studie zu topischem Finasterid. Sie randomisierte 458 Männer mit androgenetischer Alopezie (AGA) des Grades III (Vertex) bis V in einem doppelblinden, doppel-placebo-kontrollierten Design im Verhältnis 2:2:1 auf topisches Finasterid 0,25 % (Spray, 1 bis 4 Sprühstöße/Tag), Placebo und orales Finasterid 1 mg über einen Zeitraum von 24 Wochen.
Wirksamkeit bei Haarausfall (Haarzuwachs im Zielbereich, 1 cm²):

- ** p < 0,001 vs placebo. La différence entre topique et oral n'est pas statistiquement significative (Piraccini et al., 2022).
Beurteilung durch den Prüfer (7-Punkte-Skala, −3 bis +3):

- p < 0,001 vs placebo ; ** p < 0,005 vs placebo (Piraccini et al., 2022).
Patientenbewertung (MHGQ – Fragebogen mit 7 Fragen, % der Befragten):

Von den 6 Selbstbewertungskriterien des Fragebogens erreichen 3 statistische Signifikanz zugunsten von topischem Finasterid im Vergleich zu Placebo (Piraccini et al., 2022).
Topisches Finasterid 0,25 % + Minoxidil 3 % im Vergleich zu Minoxidil 3 % allein (Suchonwanit et al., 2018)
An dieser randomisierten Doppelblindstudie nahmen 40 Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren teil, die an androgenetischer Alopezie (AGA) des Grades III (Vertex) bis V litten. Sie wurden zu gleichen Teilen auf eine Kombinationslösung aus 0,25 % Finasterid + 3 % Minoxidil (FMX-Gruppe) und eine Lösung aus 3 % Minoxidil allein (MX-Gruppe) aufgeteilt, die 24 Wochen lang zweimal täglich angewendet wurden.
Wirksamkeit hinsichtlich der Haardichte (Trichoskopie, Haare/cm²):

Nach 24 Wochen führt die Kombinationslösung zu etwa 27 Haaren/cm² mehr als Minoxidil allein – was einer um 77 % höheren Zunahme der Haardichte entspricht (Suchonwanit et al., 2018).
Gesamtbeurteilung anhand von Fotos nach 24 Wochen:

Etwa 90 % der mit der Kombinationslösung behandelten Patienten zeigten eine mäßige bis deutliche Verbesserung, gegenüber etwa 39 % in der Gruppe, die nur Minoxidil erhielt. Der Unterschied ist sowohl bei der Bewertung durch die Prüfer (p = 0,026) als auch bei der Bewertung durch die Patienten (p = 0,032) statistisch signifikant (Suchonwanit et al., 2018).
Topisches Finasterid allein oder in Kombination mit Minoxidil?
Die Kombination aus topischem Finasterid und topischem Minoxidil in einer einzigen Lösung ist ein besonders interessanter Ansatz, da sie zwei Wirkstoffe mit sich ergänzenden Wirkmechanismen vereint: Finasterid wirkt auf die hormonelle Ursache ein (Senkung des DHT-Spiegels), während Minoxidil auf die Durchblutung und den Haarzyklus wirkt (Verlängerung der Anagenphase, Stimulierung des Haarwachstums).
Die Metaanalyse von Chen et al. (2020) fasste die Daten von fünf randomisierten kontrollierten Studien (insgesamt 640 Patienten) zusammen, in denen die Kombinationstherapie mit Finasterid und topischem Minoxidil mit den jeweiligen Monotherapien verglichen wurde.
Ergebnisse der Metaanalyse zur fotografischen Gesamtbewertung:

Ergebnisse zur Quote der deutlichen Verbesserung:

Ergebnisse hinsichtlich des Ausmaßes der Verschlechterung oder des Ausbleibens von Veränderungen:

Diese Daten zeigen, dass die Kombinationstherapie nicht nur hinsichtlich der allgemeinen Haarergebnisse jeder Monotherapie überlegen ist, sondern dass sie die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Verbesserung im Vergleich zu Minoxidil allein um das Fünffache und im Vergleich zu Finasterid allein um das 2,6-Fache erhöht. Zudem senkt sie das Risiko, keine Verbesserung oder eine Verschlechterung zu erleben, um das 4- bis 11-fache (Chen et al., 2020).
Es gab weder bei den mäßigen und leichten Verbesserungen noch bei den Nebenwirkungen signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen (Chen et al., 2020).
Es ist anzumerken, dass die Metaanalyse Studien umfasst, in denen topisches Finasterid in verschiedenen Konzentrationen (0,1 % und 0,25 %) sowie Minoxidil in Konzentrationen von 2 %, 3 % oder 5 % verwendet wurde. Die optimale Konzentration der Kombination muss noch durch weitere Studien ermittelt werden; die Autoren schlagen vor, dass 0,25 % Finasterid + 5 % Minoxidil die Referenzkombination sein könnte (Chen et al., 2020).
Nebenwirkungen von topischem Finasterid
Eines der Hauptargumente für topisches Finasterid ist seine bessere systemische Verträglichkeit. Die Daten aus verschiedenen Studien stützen diese Feststellung, auch wenn die Nebenwirkungsprofile je nach Konzentration und Formulierung variieren.
Sexuelle Nebenwirkungen
Daten von Piraccini et al. (2022) – die fundierteste Vergleichsstudie:

Die Rate sexueller Nebenwirkungen bei topischem Finasterid (2,8 %) ist zahlenmäßig geringer als bei der oralen Form (4,8 %) und liegt nahe am Placebo (3,3 %). Kein Patient der topischen Gruppe brach die Behandlung aus sexuellen Gründen ab, gegenüber 2,4 % in der oralen Gruppe (Piraccini et al., 2022).
Was den Fragebogen zur sexuellen Funktion (IIEF-2) betrifft, gab es bei keinem der Items nach 12 oder 24 Wochen einen signifikanten Unterschied zwischen dem Wirkstoff und dem Placebo (Piraccini et al., 2022).
Daten von Suchonwanit et al. (2018) – kombinierte Lösung:
In der Studie zur 0,25 %igen Finasterid-Lösung + 3 % Minoxidil wurden über einen Zeitraum von 24 Wochen in keiner der beiden Gruppen (FMX oder MX) sexuelle Nebenwirkungen berichtet. Es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen beobachtet (Suchonwanit et al., 2018).
Daten von Mazzarella et al. (1997) – Finasterid 0,005 %:
Bei dieser sehr geringen Konzentration wurden während der 16-monatigen Behandlungsdauer bei keinem Patienten der Finasterid-Gruppe lokale oder systemische Nebenwirkungen beobachtet. Die biologischen Messwerte (Gesamt-Testosteron, freies Testosteron, DHT) zeigten in der Finasterid-Gruppe keine Veränderungen, was das Fehlen einer signifikanten systemischen Resorption bei dieser Konzentration bestätigt (Mazzarella et al., 1997).
Lokale Nebenwirkungen (Hautreaktionen)
Im Gegensatz zur oralen Darreichungsform kann topisches Finasterid lokale Reaktionen an der Anwendungsstelle hervorrufen, insbesondere bei Formulierungen auf der Basis von Ethanol und Propylenglykol.

Alle diese lokalen Nebenwirkungen waren von leichter Ausprägung, und es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen der Gruppe mit topischem Finasterid und der Gruppe mit Minoxidil allein hinsichtlich Kontaktdermatitis oder Juckreiz (Chen et al., 2020; Suchonwanit et al., 2018).
Auswirkungen auf biologische Parameter
Biologische Parameter unter topischer Anwendung von Finasterid 0,25 %:

Die je nach Studie unterschiedliche Reduktion des DHT-Spiegels (5,7 % gegenüber 34,5 %) lässt sich durch Unterschiede in der Formulierung erklären (Lösungsmittel, hydroalkoholische Basis, Anwendungsdauer, Abspülen oder Nicht-Abspülen). Diese Daten unterstreichen, dass es nicht „ein“ topisches Finasterid gibt, sondern eine Familie von Formulierungen mit unterschiedlichen pharmakokinetischen Profilen.
Wie kann ich herausfinden, ob ich für topisches Finasterid geeignet bin?
Topisches Finasterid richtet sich im Wesentlichen an dieselbe Zielgruppe wie die orale Form, wobei es jedoch einige wesentliche Unterschiede gibt.
Profil des idealen Bewerbers

Situationen, in denen das Thema im Hinblick auf den mündlichen Ausdruck besonders relevant ist
Topisches Finasterid ist in folgenden Fällen eine besonders sinnvolle Alternative:
- Junge Patienten, die eine AAG-Behandlung wünschen und dabei ihre Fruchtbarkeit erhalten möchten (geringere systemische Auswirkungen auf DHT)
- Patienten, bei denen unter oraler Finasterid-Einnahme sexuelle Nebenwirkungen aufgetreten sind, die aber weiterhin eine DHT-hemmende Behandlung fortsetzen möchten
- Patienten, bei denen der Arzt aus bestimmten klinischen Gründen die Senkung des systemischen DHT-Spiegels begrenzen möchte
- Patienten, die bereits topisches Minoxidil anwenden und die Wirkung ihrer Behandlung verstärken möchten, ohne auf ein orales Präparat umzusteigen
Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Die Frage der Therapietreue
Ein oft unterschätzter Punkt: Die topische Anwendung von Finasterid ist aufwändiger als die Einnahme von Tabletten. Die Lösung muss auf die trockene Kopfhaut aufgetragen, 6 bis 8 Stunden (oder über Nacht) einwirken gelassen und anschließend mit Wasser abgespült werden. Für manche Patienten stellt dieser tägliche Aufwand ein echtes Hindernis für die langfristige Therapietreue dar – was ein entscheidender Faktor bei der Wahl zwischen den beiden Darreichungsformen ist.
Fazit
Topisches Finasterid stellt einen echten Fortschritt in der Behandlung des männlichen androgenetischen Haarausfalls dar. Sein Hauptvorteil besteht darin, dass es eine statistisch gleichwertige Wirksamkeit auf das Haar aufweist wie die orale Form, während die systemische Exposition gegenüber dem Wirkstoff drastisch reduziert wird.
Die verfügbaren klinischen Daten lassen mehrere fundierte Schlussfolgerungen zu. Erstens ist topisches Finasterid wirksam: bereits ab einer Konzentration von 0,005 % über 16 Monate (Mazzarella et al., 1997) und noch stärker bei 0,25 % als Spray über 24 Wochen, wobei der Haarzuwachs im Zielbereich (20,2 Haare) zahlenmäßig identisch mit dem von oralem Finasterid (21,1 Haare) ist und eine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo aufweist (Piraccini et al., 2022). Zweitens ist sein systemisches Profil deutlich günstiger: mehr als 100-mal niedrigere Plasmakonzentrationen, geringere Senkung des Serum-DHT (34,5 % vs. 55,6 %), keine Abbruchfälle aufgrund sexueller Nebenwirkungen in der Phase-III-Studie (Piraccini et al., 2022) und keine Veränderung der Hormonspiegel bei einer Konzentration von 0,005 % (Mazzarella et al., 1997). Drittens bietet die Kombination mit topischem Minoxidil einen signifikanten zusätzlichen Nutzen: In der Metaanalyse von Chen et al. (2020) über 5 Studien und 640 Patienten ist die Kombinationstherapie jeder Monotherapie überlegen, mit einer Odds Ratio von 5,01 zugunsten einer deutlichen Verbesserung gegenüber Minoxidil allein und 2,60 gegenüber Finasterid allein.
Die Konzentration von 0,25 % gilt heute als Referenzformulierung, da sie eine optimale Wirkung auf die Haarfollikel mit einer minimierten systemischen Resorption verbindet. Die Kombination aus topischem Finasterid 0,25 % + topischem Minoxidil 3 % oder 5 % in einer einzigen Lösung erweist sich als besonders interessante Option für motivierte Patienten, da sie eine Synergie der beiden Wirkmechanismen in einer praktischen und gut verträglichen Darreichungsform bietet.
Die wichtigsten Einschränkungen, die zu beachten sind: die unterschiedlichen Zusammensetzungen der auf dem Markt erhältlichen Präparate (die pharmakokinetischen Profile variieren je nach Hilfsstoffen), die Notwendigkeit einer guten Therapietreue bei täglicher Anwendung und einer Einwirkzeit von mehreren Stunden sowie das Fehlen von Langzeitdaten (über 2 Jahre hinaus), die mit denen der oralen Darreichungsform vergleichbar sind.
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Zitierte wissenschaftliche Studien:
- Mazzarella F et al. (1997). Topisches Finasterid zur Behandlung von androgener Alopezie. Vorläufige Auswertungen nach einer 16-monatigen Therapie. J Dermatol Treat, 8:189–192.
- Piraccini BM et al. (2022). Wirksamkeit und Sicherheit einer topischen Finasterid-Spraylösung bei androgenetischer Alopezie des Mannes: eine randomisierte, kontrollierte klinische Phase-III-Studie. JEADV, 36:286–294.
- Chen L et al. (2020). Wirksamkeit und Sicherheit von Finasterid in Kombination mit topischem Minoxidil bei androgenetischer Alopezie: Eine systematische Übersicht und Metaanalyse. Aesth Plast Surg.
- Suchonwanit P et al. (2018). Eine randomisierte, doppelblinde, kontrollierte Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit einer topischen Lösung aus 0,25 % Finasterid in Kombination mit 3 % Minoxidil im Vergleich zu einer 3 %igen Minoxidil-Lösung bei der Behandlung der androgenetischen Alopezie bei Männern. JEADV, 32:2257–2263






Wie wirkt topisches Finasterid?
Derselbe Wirkmechanismus, ein anderer Verabreichungsweg
Das topische Finasterid hat denselben Wirkmechanismus wie die orale Form: Es hemmt die Typ-II-5-alpha-Reduktase, das Enzym, das Testosteron in den Haarfollikeln in Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt. DHT ist das Androgen, das bei genetisch prädisponierten Personen direkt für die fortschreitende Miniaturisierung der Haarfollikel verantwortlich ist.
Der grundlegende Unterschied liegt in der Art der Verabreichung. Bei oraler Einnahme wird Finasterid in den systemischen Kreislauf resorbiert und in alle Gewebe verteilt, die 5-alpha-Reduktase exprimieren: Haarfollikel, Prostata, Haut, Fettgewebe, Gehirn. Bei topischer Anwendung wird das Medikament direkt auf die Kopfhaut aufgetragen und dringt bevorzugt in die Haarfollikel in den oberflächlichen Schichten der Dermis ein, wodurch seine systemische Aufnahme begrenzt wird.
Die pharmakologische Begründung der topischen Anwendung
Die Idee hinter der topischen Formulierung beruht auf einer grundlegenden Beobachtung: Die 5-alpha-Reduktase vom Typ I – auf die Finasterid nicht abzielt – kommt vorwiegend in der Haut und den Talgdrüsen vor, während der Typ II – das Ziel von Finasterid – in den Haarfollikeln selbst konzentriert ist. Durch die Abgabe hoher Finasterid-Konzentrationen direkt an die Haarfollikel versucht die topische Formulierung, die theoretische Einschränkung der oralen Form zu umgehen, die Typ II im gesamten Organismus hemmt, aber nicht bevorzugt auf die Kopfhaut wirken kann (Mazzarella et al., 1997).
Auswirkungen auf die DHT: Kopfhaut vs. Serum
Dies ist der entscheidende Punkt bei der Unterscheidung zwischen den beiden Formulierungen. In der Phase-III-Studie von Piraccini et al. (2022) wurden in allen drei Behandlungsgruppen gleichzeitig die Finasterid-Plasmakonzentrationen und die DHT-Serumspiegel gemessen.
Les concentrations plasmatiques maximales sont plus de 100 fois inférieures avec le topique par rapport à l'oral. Cette différence d'exposition systémique se traduit par une réduction de DHT sérique moins profonde (34,5 % vs 55,6 %), mais toujours statistiquement significative par rapport au placebo (p < 0,05 à toutes les visites). La forme topique réduit donc bien la DHT, mais de manière plus localisée et moins systémique (Piraccini et al., 2022).
In der Studie von Suchonwanit et al. (2018) führte die Kombinationslösung aus 0,25 % Finasterid + 3 % Minoxidil nach 24 Wochen lediglich zu einer Senkung des DHT-Spiegels im Plasma um 5,7 %, ohne dass sich ein signifikanter Unterschied zur Gruppe mit Minoxidil allein zeigte (p = 0,92). Die Autoren führen diesen sehr niedrigen Wert auf die Dauer der Untersuchung (6 Monate), den Unterschied bei Lösungsmittel und Formulierungsgrundlage sowie die je nach Formulierung variierende Hautresorption zurück (Suchonwanit et al., 2018).
Diese je nach Studie unterschiedlichen Auswirkungen auf den systemischen DHT-Spiegel unterstreichen die Bedeutung der galenischen Formulierung (Art des Lösungsmittels, Ethanolkonzentration, Propylenglykol usw.) für die tatsächlich über die Haut resorbierte Finasteridmenge.